/ Wir

Unsere Wurzeln

In unserer Familie, den Buckenbauern aus Ulm, beziehungsweise aus dem kleinen Dorf Grimmelfingen bei Ulm, wurde die Heilkunde für Mensch und Tier seit Jahrhunderten tradiert. Die Familiengeschichte wurde durch eine nachhaltig betriebene Landwirtschaft, dem oft hart geprüften Willen aktive Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und einer vielfältig gelebten Gottesbeziehung geprägt.

Der ursprüngliche Hof trug noch ein keltisches Sack- und Hofzeichen. Bis 1265 unterstand der Buckenbauer – Hof dem Ritter Konrad von Obenhausen. Später, so berichtet unser Vorfahr Hans Buck im 16. Jahrhundert, hatten wir als eigene Herren ein „gütlin und söld zu eigen“ und waren als „Freie“ keine Leibeigenen einer Grundherrschaft mehr.
Im Grimmelfinger Arzneibuch von 1816 und in der Traubibel des Johannes Kast, wie unser Familienname inzwischen lautete, wurden uralte magische Zauber- und Bannsprüche gegen Gicht bei Menschen und gegen Krankheiten der Schweine überliefert.

Im Hosensack meines Urgroßvater Michael Kast klimperten beim Gehen die Runenstäbchen. Der keltische Ursprung des Heilwissens ließ sich bis ins 20. Jahrhundert hinein nicht verleugnen. Die christlich ausgerichtete Großmutter Angelika Kast beschäftigte sich intensiv mit Gesundheit, Rezepten und pflanzlichen Rezepturen, während Großvater Christian Kast sich mutig innerhalb der „Bekennenden Kirche“, in welcher auch Dietrich Bonhoeffer Mitglied war, gegen das Hitler-Regime einsetzte. Durch ihr Engagement unter hohem Risiko konnten in der Kriegsnot etliche Menschen mit Nahrung, Schutz und medizinischer Hilfe versorgt werden.

Dr. Lydia Reutter, Gründerin der Amarys GmbH und älteste Enkelin des Buckenbauers Christian Kast sen., bewohnt inzwischen den Alterssitz der Altbauern, das „Ausgedinghaus“ im Hirtenweg 8-10, welches 1912 von ihrem Urgroßvater Michael erbaut wurde. Hier ist auch die Amarys GmbH beheimatet.

„Von Großmutter Angelika und von meinem Vater Wilhelm, der an der Uni Hohenheim Gartenbau studierte, lernte ich die Pflanzenheilkunde von Kindesbeinen an kennen. Ich wuchs mit Wurzeln, Blättern und Blüten zur Herstellung von Salben, Tinkturen und Heilkräutertee-Mischungen auf. Büschel trocknender Kräuter hingen in Küche und Keller, in Schubladen befanden sich etliche handschriftliche Rezeptur- und Ernährungs-Anweisungen, Regale waren gefüllt mit Kräuter-Büchern. Der elterliche Hausgarten war zugleich botanischer Lehrgarten, in welchem regelmäßig öffentliche Führungen stattfanden. Als Kind fand ich die Sonntagsspaziergänge, die meist medizinischen Heilkräuter-Lehrgängen glichen, oft nervig. Später beeindruckte mich für jedoch wie auch bereits den Vater insbesondere die Überlieferungen der Hildegard von Bingen, der Priesterärztin des 12. Jahrhunderts. Wir beide hielten manchen Vortrag über ihre Medizin.“

Nach Reutters Medizinstudium und Facharztausbildung zur Allgemeinärztin folgte mit 33 Jahren die Niederlassung in eigener ärztlicher Praxis in Tübingen. Doch die bloße Schulmedizin war ihr von Anfang an nicht ganzheitlich und effektiv genug. So begann sie mit 28 Jahren sich parallel zur Universitätsmedizin von Großmeister Zhi-Chang Li und Prof. Tiange Zhang aus der Regierungsklinik Beidaihe bei Peking zehn Jahre lang zur „Daifu“, zur Ärztin für Traditionelle Chinesische Medizin und medizinischem Qi Gong, ausbilden zu lassen. Ab dem 36. Lebensjahr kam zusätzlich eine sechsjährige Ausbildung in Traditioneller Europäischer Medizin bzw. keltischer Medizin in verschiedenen Ländern dazu. Und mit 41 Jahren wurde sie von Großsheikh Nazim, Oberhaupt des Naqshbandi-Sufi-Ordens, sieben Jahre lang im Nahen Osten zur „Hakima“, zur Ärztin für Traditionelle Arabische Medizin, ausgebildet.

Die Patienten der Reutter‘schen Praxis kamen aus aller Welt und wurden interkulturell und interdisziplinär behandelt. Schwerpunkt war die Infektiologie. Gute Erfolge zeigten sich auch dann, wenn zuvor Antibiotika und chemisch-pharmazeutische Medikamente wirkungslos blieben oder multiresistente Erreger und ein komplexes Krankheitsgeschehen gefährlich wurden.

Doch bei aller Freude am Behandeln vermisste Lydia Reutter eine gute und naturbelassene Qualität der benötigten Heilpflanzen in Handel und Apotheken. So kam es 2019 zur Gründung der Amarys GmbH. Ein familieneigener biologisch-ökologischer Heilpflanzenanbau mit laborchemisch geprüfter Qualität und bio-zertifizierter Verarbeitung konnte jetzt endlich diese Lücke schließen. Die Hauptpraxis in Tübingen wurde nach 24-jährigem Betrieb aufgelöst und die Amarys GmbH in Ulm gegründet. Die kleine Lehr-Praxis in Ulm ist erhalten geblieben. Hier werden Studien zur human- und veterinärmedizinischen Phytotherapie in Kooperationen mit Fachinstitutionen durchgeführt und Ärzte, Tierärzte, Therapeuten, Apotheker, und Anwender beraten und trainiert.

Auch das ethische Engagement findet seine Kanäle: erwirtschaftete Überschüsse fließen humanitären und sozialen Zwecken zu. Das One Earth – One Health – Konzept ist hier nicht Zukunft, sondern Alltag.
Die Familien-Tradition lebt in den drei Reutter-Kindern weiter: Die Älteste ist ebenfalls Ärztin, die Zweite Tierärztin und der Jüngste übernimmt Verantwortung als Ingenieur und in der Geschäftsleitung des Betriebs. Die bisher zwei kleinen Enkelkinder wachsen mit großem Interesse am Anbau der Heilpflanzen auf dem eigenen Bio-Hof auf. Quasi eine genetische Disposition, die in jeder Generation zum Ausdruck kommt.

(Siehe auch Buch: „Grimmelfingen“, Helmut Kast, 2005 und die historischen Bilder und Dokumente u.a. aus dem Grimmelfinger Museum „Geschichtsstube“.)